Städtebau und Architektur

drucken
Foto: StadtLabor

Foto: StadtLabor

Stadtplanung und Architektur sind in der Lage, konkrete Lösungen zur Verbesserung der akustischen Wohnqualität zu entwickeln. Beispielsweise kann durch die richtigen Maßnahmen Lärm von Innenräumen und Aufenthaltsflächen ferngehalten oder gar vermieden werden. Dies steigert nicht nur den Wohnwert und die Wohnumfeldqualität, sondern sichert auch die vielfältige Nutzbarkeit öffentlicher und halböffentlicher Räume und fördert die nachhaltige Entwicklung nutzungsdurchmischter innerstädtischer Standorte. Die nun folgenden Beispiele zeigen, wie städtebauliche Lösungen und durchdachte Architektur zur Lärmminderung beitragen können.

Autofreie Wohngebiete in Köln, Hamburg und anderswo

Wer ein Auto hat, fährt auch damitzumindest eine Stunde am Tag. Dennoch soll das Auto möglichst nah an der Wohnung stehen, was zu Verkehrsbelastungen und Lärm bis in die letzte Nebenstraße führt. Liegt die Wohnung jedoch zentral und bietet kurze Wege, kann man sehr gut ohne Auto, ohne seine Kosten und ohne seinen Lärm leben. Autofreie Wohngebiete bieten Frei- und Straßenräume für Menschen und sind auch für Kinder gefahrlos zu nutzen. Sie sparen Platz und Kosten durch knappere Verkehrsräume und Verzicht auf Garagen und Parkplätze. Die Wohnqualität wird von den Bewohnern als überdurchschnittlich hoch eingeschätzt. Gebaute Beispiele findet man in acht deutschen Großstädten (u. a. in Münster, Freiburg, München und Hamburg).

Mehr Informationen zu autofreien Wohnprojekten


Verkehrsberuhigtes Wohnen im Stadthausprojekt Schmutzlerstraße in Leipzig-Gohlis

Auch klassische Wohngebiete müssen jedoch nicht automatisch von zugeparkten Straßen dominiert werden. Unkonventionelle Planungen für Neubausiedlungen oder für Sanierungen bestehender Siedlungen führen zu anderen städtebaulichen Lösungen. In der Gohliser Schmutzlertraße ist ein Selbstnutzer-Wohnprojekt mit insgesamt 25 Stadthäusern entstanden, die sich um einen verkehrsberuhigten Bereich gruppieren. Durch diese familien- und fußgängerfreundliche Erschließungsform kann sich die Nachbarschaft ungefährdet auf einem kleinen Platz treffen und die meisten Wohnbauten liegen an einer Wohnstraße ohne lärmenden Durchgangsverkehr.


Blockränder erhalten an Hauptstraßen neue Nutzungen, Wächterhäuser in Leipzig

Der beste Lärmschutz für gewachsene Blockstrukturen sind die Gebäude selbst. Die meist einen Hof umschließende Wohnbebauung trennt nicht nur klar zwischen öffentlichen und privaten Flächen, sondern auch zwischen lauten Verkehrsräumen und ruhigen Innenhöfen. Der Verlust auch nur einzelner Gebäude hat fatale Folgen für die Wohnqualität. Der Straßenlärm dringt in ehemals ruhige Bereiche, was nur sehr schwer rückgängig zu machen ist. Aus diesem Grund müssen bestehende Strukturen dringend erhalten bleiben. Unbeliebte Gebäude an lauten Straßen können eine Chance für neue, kostengünstige Nutzungen sein. Das Projekt Wächterhäuser des Vereins HausHalten e.V. in Leipzig zeigt, wie scheinbar hoffnungslose Häuser wiederbelebt werden können.

Link zum Projekt Wächterhäuser


Mauern als Lärmschutz zur Blockschließung in Aschersleben

Sind ehemals geschlossene Baustrukturen einmal zerstört, ist guter Rat teuer. Befinden sich Baulücken an lauten Straßen, sollte schnell Abhilfe geschaffen werden, um nicht den Wert der Nachbargrundstücke zu mindern. War es einst selbstverständlich, solche Stellen mit Mauern und Toren zu begrenzen, kann heute meist neben dem Schall auch der Blick oder der Passant eindringen. Eine Schließung von Blockrändern hat also mehrere Vorteile und wirkt bereits in einer eingeschossigen Höhe lärmmindernd. Zudem kann eine Lärmschutzwand begrünt werden und hilft somit sogar, das Mikroklima zu verbessern.
In Aschersleben wurden an einer stark befahrenen Straße zum Abbruch vorgesehene Häuser nur teilweise abgebrochen, die Erdgeschosse fungieren nach wie vor als Lärmschutz.


Haus des Buches in Leipzig – ruhige Insel an der Hauptverkehrsstraße

Besonders in Altbauten entsprechen Wohnungsgrundrisse nicht immer heutigen Anforderungen. Wohnräume waren ursprünglich immer zur Straße orientiert, untergeordnete Nutzungen zum Hof, unabhängig von Lage und Besonnung. Aber auch unter heutigen Bedingungen muss Wohnen an Hauptstraßen kein Problem sein. Ob einfach durch getauschte Raumnutzungen oder durch aufwendigere Grundrissänderungen – eine gute Lösung findet sich meistens. Große Wohnküchen können heute auch an der Straße liegen, zugunsten von Schlafräumen am ruhigeren Innenhof.
Auch Neubauten haben das Problem des Lärmschutzes. Beim Leipziger Haus des Buches in der mit vier Fahrspuren und mit einer Straßenbahntrasse ausgestatteten Prager Straße wurde eine Gebäudeform gewählt, die diesen Spagat schafft. Zur Straße orientierte Höfe mit transparenter Verglasung gewährleisten allen Büros einen Blick zur Straße und natürliche Belüftung, ohne der Lärmeinwirkung direkt ausgesetzt zu sein. Von außen präsentiert sich das preisgekrönte Gebäude trotz seiner Lage nicht abweisend.


Ruhige Wohnhöfe ohne Autoparken in Leipziger Sanierungsgebieten

In dicht bebauten Quartieren steigt häufig der Parkdruck. Hier sehen Hauseigentümer oft die Chance, ihren Mietern Stellplätze im Innenhof als Zusatzqualität anzubieten. Im Ergebnis sind solche Grundstücke meist komplett betoniert und vom Balkon sieht man nicht nur das eigene Auto, sondern auch die der Nachbarn. Der Ruheraum hinter dem Haus wird durch fahrende Autos und klappende Türen verlärmt. Eine andere Nutzung ist damit ausgeschlossen.
In Leipziger Sanierungsgebieten ist das Parken in wohngeprägten Blockinnenbereichen nicht gestattet. Dennoch – oder gerade auch deshalb – erfreuen sich Wohnungen in Sanierungsgebieten meist großer Beliebtheit. Ruhe und ein nutzbares Stück Grün direkt vor der Wohnung erhöhen die Wohnqualität enorm. Doch auch in anderen Wohngebieten entdecken Investoren autofreie Innenhöfe als Vermarktungsvorteil.