Lärm und Lärmaktionsplanung

"Mach's leiser – Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig" ist ein Modellprojekt des Ökolöwen in Zusammenarbeit mit dem Planungs-Büro StadtLabor. Gemeinsam mit Leipziger Bürgerinnen und Bürgern identifiziert "Mach's leiser" konkrete Lärmprobleme sowie schützenswerte Ruhezonen und erarbeitet praktikable Lösungsansätze.
Im Unterschied zur Lärmaktionsplanung der Stadt Leipzig möchten wir nicht in erster Linie auf rechnerischen Schalldaten aufbauen, sondern auf von Bewohnerinnen und Bewohnern eingereichten Vorschlägen zur Minderung des Verkehrslärms. Dabei geht es nicht nur um die großen Themen, im Mittelpunkt stehen kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, wie z.B. Tempo30, Zebrastreifen oder Fahrbahnmarkierungen.

Lärmminderung durch Bürgermitwirkung

Maßnahmen zur Lärmminderung stehen mit anderen Vorhaben in Konkurrenz um knappe Haushaltsmittel und sollten daher mit den Bürgerinnen und Bürgern einer Stadt abgestimmt sein. Im Gegensatz zur formalen Lärmaktionsplanung und vielen bisher gelaufenen Verfahren in anderen Städten verfolgt die Projektreihe „Mach’s leiser“ einen Bottom-Up-Ansatz. Bürgerinnen und Bürger können frei von eigener Betroffenheit neue Ansätze zur Lärmminderung entwickeln und werden dabei durch den Ökolöwen und das StadtLabor unterstützt.

Konkrete Lärmprobleme können in einer Großstadt wie Leipzig nur auf Ortsteilebene wirklich detailliert besprochen werden. Im Rahmen der Projektreihe "Mach´s leiser" konnten wir uns jedoch nicht allen Leipziger Ortsteilen zuwenden und konzentrieren uns daher auf jeweils bestimmte Projektgebiete. Im jeweiligen Projektgebiet sollen Ideen und Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger zusammengeführt, weiterentwickelt, priorisiert und der Umsetzung näher gebracht werden. Im Rahmen von „Mach’s leiser“ wurden bisher Bürgermitwirkungsverfahren im Leipziger Norden und in Leipzig-Stötteritz durchgeführt. In der Leipziger Ostvorstadt steht das Mitwirkungsverfahren unmittelbar bevor. Die in den jeweiligen Projektgebieten erarbeiteten Lösungen können aber durchaus beispielhaft für andere Stadtgebiete sein.

Zentrale Elemente

Zentrale Elemente der „Mach’s leiser“ Projektreihe sind (1) eine frühzeitige und zielgruppenorientierte Kommunikation, (2) ein „Mach’s leiser“ Projektbeirat im jeweiligen Projektgebiet, (3) Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern, (4) die Visualisierung der erarbeiteten Maßnahmen in einem „Mach’s leiser“ Maßnahmenkatalog, (5) die Anschubphase sowie (6) das "Mach's leiser" Handbuch.

(1) Frühzeitige und zielgruppenorientierte Kommunikation
Entscheidend für einen gelingenden Bürgermitwirkungsprozess ist eine klare Kommunikation vor, während und nach dem Projekt. Die Beteiligung muss frühzeitig erfolgen, sodass die Planungen dadurch beeinflusst werden können und außerdem transparent gestaltet werden, um allen Beteiligten alle relevanten Informationen bereitstellen zu können.

(2) „Mach's leiser“ Projektbeirat
Für jedes Projekt wird ein Projektbeirat einberufen, der aus verschiedenen verantwortlichen Handlungsträger im Projektgebiet (z.B. Bürgervereine, Fraktionsabgeordnete, Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe usw.) besteht. Zusammen mit Lärmexperten berät der Beirat von "Mach's leiser", wie man die Situation vor Ort verbessern kann. Je nach Problemlage werden dabei auch weitere Institutionen mit einbezogen.

(3) Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern
Jedes Projekt wird mit einer Auftaktveranstaltung eingeläutet, zu der alle Bürgerinnen und Bürger aus dem Projektgebiet herzlich eingeladen werden. Neben informativen Elementen zu Lärm und Lärmaktionsplanung, können hier bereits interaktive Elemente eingebaut werden, wie z.B. Lärmspaziergänge. Je nach Situation vor Ort wird dann in Bürgerworkshops konkret an Lärmproblemen und Lösungsansätzen gearbeitet. Es geht hier vor allem darum, Konzepte und Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger bis zur Umsetzungsreife weiterzuentwickeln.

(4) „Mach’s leiser“ Maßnahmenkatalog
Die Phase der Bürgermitwirkung findet ihr Ende in der Erstellung eines Maßnahmenkatalogs, in dem die von den Bewohnerinnen und Bewohnern eingebrachten Probleme und Lösungsvorschläge festgehalten werden. Im Maßnahmenkatalog wird die Umsetzungswahrscheinlichkeit eingestuft und der Diskussionsstand aus den Workshops festgehalten. Der Katalog dient dem Projektbeirat als Handreichung, ist aber auch für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger online als pdf verfügbar.

(5) Anschubphase
Die Bürgermitwirkung endet nicht mit der Erstellung des Maßnahmenkatalogs. In der wichtigen, sogenannten Anschubphase wird die Umsetzung der gesammelten Ideen aus den Bürgerworkshops in die Wege geleitet. Die Maßnahmenvorschläge werden für Politik und Verwaltung aufbereitet und mit den entsprechenden Handlungsverantwortlichen diskutiert. Daran anchließend werden Umsetzungsmaßnahmen vereinbart und die Ergebnisse des gesamten Prozesses in einem Abschlussbericht festgehalten.

(6) "Mach's leiser" Handbuch
Auf der Grundlage der "Mach's leiser" Projektreihe wurde ein Handbuch entwickelt. Das Handbuch vermittelt Erfahrungen aus den Projekten – sowohl mit den Maßnahmen, als auch mit den Instrumenten der Bürgermitwirkung. Mit dem Ziel Qualität, Akzeptanz und Umsetzungschancen von Lärmminderungsmaßnahmen zu erhöhen, konzentriert sich das Handbuch vor allem auf kurzfristig umsetzbare Maßnahmen im Verantwortungsbereich der Kommunen. Anhand zahlreicher guter Beispiele aus anderen Städten soll das Handbuch Kommunen inspirieren und motivieren Lärmminderung gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen anzugehen!

Losgelöst von den Prozessen in den „Mach’s leiser“ Projektgebieten haben alle Leipzigerinnen und Leipziger die Möglichkeit, Lösungsvorschläge für konkrete Lärmprobleme zu machen – auch außerhalb der Projektgebiete. Ihre Anregungen können sie ganz einfach in die „Mach´s leiser Karte“ eintragen. Der Ökolöwe sammelt die Einträge und leitet sie an die richtigen Stellen weiter. Dabei können natürlich nicht alle Vorschläge zur Lärmminderung in die Realität überführt werden. Mit dem Projekt "Mach´s leiser" nimmt der Ökolöwe aber eine wichtige Vermittlerrolle wahr, gibt Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme und setzt sich dafür ein, dass Hinweise aus der Bevölkerung bei der Lärmaktionsplanung der Stadt Leipzig sowie weiteren Planungsprozessen berücksichtigt werden.