Auftaktveranstaltung

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Foto: Alexander Biedermann

Foto: Alexander Biedermann

Zahlreiche Anwohner aus dem Norden der Stadt besuchten die „Mach's leiser!“-Veranstaltung am 2. März 2011. In der Aula der Gohliser Schiller-Schule stellte Projektleiter Tino Supplies vom Ökolöwen die Idee und den geplanten Ablauf des Projekts vor.

Ralf Elsässer vom Planungsbüro CivixX gab einen Einblick in die Zwischenauswertung der schriftlichen Anwohnerbefragung zum Thema Umgebungslärm.
 

Die städtische Lärmkartierung erläuterte Johannes Dohmen vom Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig. Anhand von Praxisbeispielen veranschaulichte Fritjof Mothes vom StadtLabor, wie in andere Städten Lärmschutz erfolgreich umgesetzt wird.
 

Lebhafte Kritik an lautem Verkehr

Die lebendige Diskussion im Anschluss an die Vorträge zeigte vor allem eines: Verkehrslärm ist ein erhebliches Problem im Leipziger Norden, mit dem die Betroffenen sich nicht länger abfinden wollen. Viele der Anwesenden nutzten die Gelegenheit, auf ganz konkrete Lärmbelastungen in ihrem Wohnumfeld hinzuweisen.

Sternsiedlung

Gleich dreifach betroffen sei etwa die Sternsiedlung, denn Straßen-, Schienen- und Fluglärm sorgten hier für gesundheitsschädliche Schallpegel. Die Frage eines Anwohners, warum die Lärmbelastung der Sternsiedlung auf den Lärmkarten der Stadt nicht zu erkennen sei, beantwortete Johannes Dohmen vom Amt für Umweltschutz mit der Erklärung, dass die Berechnungen für die Lärmkartierung alle fünf Jahre neu erstellt werden. Während der letzten Berechnung, im Jahr 2005, war die Luise-Otto-Peters-Straße noch nicht ausgebaut. Darum, so Dohmen, habe sie nicht mit ausgewertet werden können. Die nächste Fortschreibung der Lärmkartierung erfolge im Jahr 2011. Wer sich die Leipziger Lärmkarten ansehen möchte, kann dies im Amt für Umweltschutz oder auf den Internetseiten der Stadtverwaltung tun.

Hans-Oster-Straße

Als Beispiele für besonders verlärmte Verkehrswege wurden mehrere Straßen im Leipziger Norden genannt. So beklagte eine Anwohnerin, dass Verkehrsaufkommen und Lärmbelastung in der Hans-Oster-Straße durch den Ausbau der Max-Liebermann-Straße enorm gestiegen seien. Mehrfach habe sie eine Überprüfung erbeten, geschehen sei jedoch bislang nichts. Eine ihrer Nachbarinnen ergänzte, „Unsere Schlafzimmer gehen alle zur Hans-Oster-Straße raus und auf der Rückseite haben wir die Straßenbahn.“ Bei geöffnetem Fenster sei da an Schlaf nicht zu denken. Verstärkt würde das Lärmproblem noch dadurch, dass nicht nur Autofahrer auf die Hans-Oster-Straße auswichen, sondern zusätzlich zahlreiche LKW mit überhöhter Geschwindigkeit dort entlang donnerten. Tempo 30 gelte bislang nur in den Nebenstraßen.
 

Forderung nach Tempo 30 in Wohngebieten

Kirschberg-, Möckernsche-, Berggartenstraße

Eine Anwohnerin aus Gohlis Süd griff diese Hinweise auf und stellte fest, es handele sich hier um ein verbreitetes Problem: „Die Nutzung von 'Schleichwegen' wird in Leipzig, anders als beispielsweise in Berlin, nicht unterbunden.“ Autos und LKW bretterten so mit erhöhter Geschwindigkeit durch kleinere, teils gepflasterte Straßen. Die Frustration der Anwohner sei hoch. Gegenüber der Stadtverwaltung habe man das Thema bereits mehrfach vorgebracht. Doch immer wieder seien Vorschläge wie das Einrichten von Tempo-30-Zonen abgelehnt worden.

Stahmelner Straße

Bei vielen der Anwesenden fand dieses Anliegen dagegen offene Ohren. Ein Anwohner aus Wahren forderte, das Gebiet südlich der Georg-Schumann-Straße komplett zur Wohngebiets-Tempo-30-Zone zu machen. Der Verkehrslärm dort belaste die Menschen sehr. Als besonders problematisch schilderte er die Situation entlang der Stahmelner Straße. Die Geschwindigkeit des Straßenverkehrs sei viel zu hoch und es gebe weder einen Rad- noch einen Fußweg.

Die Forderung nach großräumigen Tempo-30-Zonen, unter anderem im Wohngebiet südlich der Georg-Schumann-Straße, wurde mehrfach geäußert. Einig waren sich die Anwohner auch darin, dass der Leipziger Norden nicht weiter die „Lärm-Müllkippe“ der Stadt sein dürfe. Der Handlungsbedarf sei offensichtlich.
 

Der nächste Schritt: Workshops vor Ort

Der Abend bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, in denen Anwohner aus den Ortsteilen Wahren, Möckern, Gohlis, Eutritzsch und Nordvorstadt gemeinsam einen Handlungskatalog für ruhigere Wohnviertel erarbeiten werden. Bei den Workshops wird es auch um die Frage gehen, welche verkehrsplanerischen Maßnahmen innerhalb des Projektgebiets die Anwohner befürworten.