Situation in Leipzig

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Magistrale in Leipzig

Magistrale in Leipzig

Lärm berührt viele Bereiche des Alltags der Leipziger und wird von jedem Menschen anders wahrgenommen.Die Folgen einer dauerhaften Lärmbelastung äußern sich in einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Die Konzentration fällt schwerer. Wir reagieren schneller gereizt und schlafen unruhiger. Das Risiko eines Herzinfarktes steigt. Lärmbedingt erhöhte Gesundheitsrisiken sind laut Umweltbundesamt für Dauerschallaußenpegel ab 65 dB(A) am Tage und 55 dB(A) in der Nacht eindeutig nachgewiesen. Dabei muss man wissen, dass an Magistralen wie der Prager Straße Werte von bis zu 80 dB(A) erreicht werden.


Wie viele Leipziger sind betroffen?

Das Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig hat ermittelt, dass allein aufgrund des Straßenverkehrs mehr als 26.000 Leipziger solch gesundheitsgefährdenden Lärmpegeln ausgesetzt sind. Durch die Straßenbahn werden die genannten Werte vor den Fenstern von mehr als 11.000 Menschen überschritten.1 Laut Eisenbahnbundesamt wohnen entlang der Schienenwege im Leipziger Untersuchungsraum etwa 800 Menschen, die Tagesmittelungspegel von über 65 dB(A) zu erdulden haben und etwa 2.800 Menschen, die durch Mittelungspegel über 55 dB(A) in der Nacht in ihrem Schlaf gestört werden.2 Auch wenn derzeit noch keine Zahlen vorliegen, die die Gesamtbelastung aus allen Lärmquellen abbilden, wird deutlich, dass Umgebungslärm einen weitaus größeren Teil der Leipziger berührt, als man vielleicht denken mag.

Das bestätigen auch die Ergebnisse der kommunalen Bürgerumfrage, die das Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig im Jahr 2008 durchgeführt hat. 17 Prozent der Leipziger, ca. 88.000 Menschen, fühlen sich demnach stark oder sehr stark durch Straßenverkehrslärm beinträchtigt. Für den Schienenverkehrslärm meinen das 12 Prozent. Das sind ca. 62.000 Menschen in dieser Stadt.3

Welche Auswirkung hat Lärm auf unsere Stadt?

Eine laute Wohngegend ist eine schlechte Wohngegend. In Leipzig konnten die Leute, anders als in München oder Frankfurt, lange Zeit relativ frei wählen, ob sie an einer lauten Verkehrsschneise oder doch lieber in einer ruhigen Nebenstraße wohnen möchten. Dies ist einer der Gründe, weswegen in Leipzig insbesondere an den Hauptstraßen viele Wohnungen leer standen. In die Häuser wurde nicht investiert, sie verfielen und mussten teilweise sogar abgerissen werden. Durch die Lücken dringt der Lärm heute in bis dahin ruhig gelegene Häuser in der zweiten Reihe. Auf der Straße selbst kann sich öffentliches Leben nur sehr eingeschränkt entfalten. Eine normale Unterhaltung oder entspanntes Verweilen ist kaum möglich. Das schlechte Image einer Hauptstraße kann auf das Stadtviertel ausstrahlen. Anwohner, die sich attraktivere Wohnlagen leisten können, ziehen weg. Den lokalen Geschäften fehlt die Kundschaft. Lärm ist eine der Haupttriebfedern für Suburbanisierung in Eigenheimsiedlungen am Rande der Stadt. Dadurch steigen jedoch Pendlerströme in das Stadtzentrum weiter an. Der Verkehrslärm in der Stadt nimmt weiter zu.

Was kostet uns der Lärm außer unserer Gesundheit?

Durch Verkehrslärm werden in Sachsen jährlich Kosten von mehr als 500 Millionen Euro verursacht.4 Dazu gehören Gesundheitskosten und Mietmindereinnahmen. Die Mehrausgaben für das Gesundheitssystem zahlen wir alle mit unseren Beiträgen. Der Wertverlust der Wohngebäude und der Wegzug lärmgeplagter Einwohner in das Umland bedeuten Einbußen für die Wohnungswirtschaft und für die Stadt Leipzig weniger Umsatz-, Einkommens-, Grund- und Grunderwerbsteuer. Gleichzeitig muss die Kommune viel Geld in die Hand nehmen, etwa um ungenutzte Häuser an Hauptverkehrsstraßen in ihrem Bestand zu sichern oder der Abwertung lärmgeplagter Wohnviertel entgegenzuwirken.

Was wird dagegen getan?

Um die Bevölkerung von schädlichem Lärm zu entlasten, wurde im Juni 2002 die sogenannte EU-Umgebungslärmrichtlinie verabschiedet. Diese ging erst 2005 mit der Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in deutsches Recht über. Danach ist auch Leipzig verpflichtet die Belastung der Bürger in Lärmkarten darzustellen und einen Aktionsplan zu erarbeiten, der beschreibt, wie die Gesundheit der Leipziger zukünftig geschützt werden soll.

 


Quellen

1 Stadt Leipzig – Amt für Umweltschutz: Belastungen für Bewohner 2012

2 Eisenbahnbundesamt: Lärmstatistik für den Ballungsraum Leipzig

3 Stadt Leipzig – Amt für Statistik und Wahlen: Kommunale Bürgerumfrage 2008

4 TU Dresden – Lehrstuhl für Verkehrsökologie: Externe Kosten aller Verkehrsträger in Sachsen im Jahre 2001