Lärm und Stadt

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Foto: StadtLabor

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Niemand wohnt gern wo es laut ist. Manchmal kann man es sich aber
nicht aussuchen. Für günstigere Wohnkosten werden mitunter Kompromisse geschlossen, die zwar dem Portemonnaie gut tun, nicht aber dem Menschen.

In Städten mit entspannten Wohnungsmärkten bleiben dagegen ganze Straßenzüge verwaist, da es keinen finanziellen Druck gibt, sich lauten Hauptstraßen oder Flugschneisen auszusetzen.

 

Dies hat allerdings fatale Folgen auf die Einnahmen der Eigentümer und auf deren Investitionsmöglichkeiten. Wenn sich der Gebäudezustand extrem verschlechtert, kann es bis zum Abbruch kommen, der das Lärmproblem nur noch weiter verstärkt, weil selbst Häuser in der zweiten Reihe diesem plötzlich ausgesetzt sind.

Treten solche gravierenden Änderungen ein, ist es oft nur noch eine Frage der Zeit, bis das Image solcher Verkehrsadern nur noch auf diesen Faktor reduziert wird. Eine gut funktionierende Stadt bietet ihren Bewohnern jedoch überall gute und gesunde Wohnmöglichkeiten, weshalb Hauptstraßen eine besondere Herausforderung darstellen. Hier zeigt sich besonders, ob die jeweilige Stadt wirtschaftlich gut funktioniert und sozial gut gemischt ist. Ziehen kaufkräftigere Bewohner in bessere Lagen, wirkt sich das negativ auf den Ladenbesatz und auf die sozialen Milieus aus. Nicht vergessen werden darf die städtebauliche Bedeutung von historischen Wohn- und Geschäftshäusern. Zu ihrer Erbauungszeit waren gerade sie die beste und teuerste Adresse an breiten, repräsentativen, aber wesentlich ruhigeren Straßen. Somit schlummern mancherorts noch wahre Schätze.

In Städten mit geringerem Leerstand sind laute Gegenden zwar belebter, Lärm kann sich aber auch hier städtebaulich negativ auswirken. Ob Alt- oder Neubauten: wo Gebäude auf laute Straßen treffen, ist es um repräsentative Architektur oft nicht gut bestellt. Gezeigt wird nicht mehr das Gesicht des Gebäudes, sondern häufig lärmgeschützte Fronten bis hin zu kompletter Rückseitenwirkung. Moderne Technik und Gestaltung verändern komplett die Wirkung einer Straße. Wo sich der Mensch nicht gern aufhält, hat er auch keine Freude mehr an guter Stadtgestaltung. Neben Verkehr als am meisten genannten Lärmfaktor empfinden viele Menschen jedoch auch Industrie-, Freizeit- und Nachbarschaftslärm als störend. Die Balance zwischen den Vorzügen des Stadtlebens und den damit verbundenen Auswirkungen stellt die Stadtplanung immer wieder vor neue Aufgaben.