Mach’s leiser 2015/17: Mitwirken bei der Fortschreibung von Lärmaktionsplänen in Leipzig – Verkehrsberuhigung in Stötteritz

Prozessablauf Mach's leiser 2

Prozessablauf Mach's leiser 2

Das Gebiet des zweiten Projekts der „Mach’s leiser“ Reihe umfasst den Ortsteil Stötteritz. Dort wurden vor dem Hintergrund der Fortschreibung des Lärmaktionsplans viele, teils widersprüchliche Ideen und Vorschläge an die Stadtverwaltung adressiert. Diese wollte der Ökolöwe gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern zusammenführen, weiterentwickeln, priorisieren und der Umsetzung näher bringen. Ziel war es trotz der gegenteiligen Bürgermeinungen gemeinsame Maßnahmen zu entwicklen, mit denen später alle einverstanden sind. Das Projekt erstreckte sich mit der Plananalyse, der Mitwirkungs-, Anschub- und Abschlussphase von April 2015 bis März 2017.

Mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung im November 2015 in der Aula der Franz-Mehring-Schule in Stötteritz startete das zweite „Mach’s leiser“ Projekt. Anschließend entwickelten Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Projektgebiet in der ersten Projekthälfte Lösungsansätze für konkrete Verkehrsberuhigungsmaßnahmen weiter und erarbeiten eine abgestimmte Empfehlung für die kurzfristige Umsetzung. In der darauf folgenden Anschubphase begleitete der Ökolöwe Initiativen bei der Umsetzung der priorisierten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung für Stötteritz. Das Projekt endete Anfang des Jahres 2017.

Projektbeirat
Innerhalb des Projektgebiets konnte sich der Ökolöwe intensiv um die Vermittlung zwischen verschiedenen Interessen auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger sowie um die Umsetzung konkreter Initiativen zur Lärmminderung kümmern. Ein großer Teil der verantwortlichen Handlungsträger engagierte sich in unserem Projektbeirat. Zusammen mit Lärmexperten beriet der Beirat in Stötteritz, wie man die Situation vor Ort verbessern kann. Je nach Problemlage gingen wir dabei auch auf weitere Institutionen zu. Folgende Akteure waren im Projektbeirat des Projekts eingebunden:

• Bürgerverein Stötteritz e.V.
• Fraktionen im Stadtrat zu Leipzig
• Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB)
• Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB)
• Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
• Stadt Leipzig – Amt für Umweltschutz
• Stadt Leipzig – Stadtplanungsamt
• Stadt Leipzig – Verkehrs- und Tiefbauamt
• Umweltbundesamt

Auftaktveranstaltung

Mehr als 50 Anwohnerinnen und Anwohner aus Leipzig Stötteritz besuchten die „Mach's leiser-Veranstaltung am 10. November 2015. In der Aula der Franz-Mehring-Schule stellte Projektleiter Tino Supplies vom Ökolöwen - Umweltbund Leipzig e.V. die Idee und den geplanten Ablauf des Projekts vor und führte inhaltlich in das Thema Umgebungs- und Verkehrslärm ein.
Fritjof Mothes vom Planungsbüro Stadtlabor, welches für die Moderation und fachliche Unterstützung zuständig ist, gab einen Einblick in den Bürgermitwirkungsprozess und die bereits rund 60 vorliegenden Maßnahmenvorschläge zur Verkehrsberuhigung in Stötteritz.
Das Projektteam machte eingangs noch einmal deutlich, dass das Ziel sei, ein Paket aus kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen zu erarbeiten, das die Lebenssituation in Stötteritz verbessert. Die Trassendiskussion der letzten Jahre hat den Blick darauf verstellt. Durch die Beschlusslage im neuen Stadtentwicklungsplan Verkehr und Öffentlicher Raum kann jetzt der Fokus auf heute schon machbare Dinge gelegt werden.


Großer Ideenreichtum der Teilnehmenden
Die lebendige Diskussion im Anschluss an die Vorträge zeigte vor allem eines: die Verkehrssituation ist ein erhebliches Problem im Stadtteil Stötteritz, mit dem sich die Betroffenen nicht länger abfinden wollen. Die Anwesenden nutzten die Gelegenheit, auf vielfältige Problemlagen in ihrem Wohnumfeld hinzuweisen.


Ausbau Radverkehrsnetz
Dem Ausbau der Radwege in Stötteritz galt hohes Interesse. Aufgrund des schlechten Radverkehrsnetzes sei es derzeit für schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer nur schwer möglich, das Rad zu nutzen. Dabei wurde mehrfach das Nahversorgungszentrum an der Holzhäuser Straße genannt, das auf sicherem Wege kaum zu erreichen sei. Geeignete Parkmöglichkeiten für das Rad seien trotz des riesigen Areals kaum vorhanden. Weiterhin könne generell durch Schaffung von Fahrradabstellanlagen und den Ausbau der Radwege im Viertel eine Erhöhung des Radverkehrsanteils erzielt werden.


Verkehrsberuhigung
Weiteren Handlungsbedarf sehen die Bürger bei der Verkehrsberuhigung. Kontrovers diskutiert wurde dabei die Errichtung von Tempo 30 Zonen. Ein Teilnehmer sagte, dass diese „gar nichts bringen“, wohingegen eine Bewohnerin aus der Sommerfelder Straße dementierte. Bei Bauarbeiten in dieser Straße hätte sie „am eigenen Leibe erfahren, dass bei langsameren Geschwindigkeit der Verkehrslärm deutlich abnimmt“. In der Naunhofer Straße wurde von den Bürgern eine Tempo 30 Zone gefordert. Auch die Senkung des Schwerlastverkehrs auf der Kommandant-Prendel-Allee wurde als verkehrsberuhigende Maßnahme genannt. Generell sollte die Verkehrsleitung überprüft werden, so die Bürger, wie z.B. die Ampelschaltung an der Holzhäuser-/Kolmstraße.


Parkplatzproblematik
Ferner wurde als Lärmverursacher die derzeitige Parkraumsituation identifiziert. Viel Verkehrslärm entstünde nur aus Parksuchverkehr. „Manchmal muss man 20 Minuten umherfahren, bis sie einen Parkplatz gefunden haben“ so eine Bewohnerin. So würden auch ruhige Seitenstraßen verlärmt. Andere Teilnehmende erwiderten, dass man Parkplätze finden würde, wenn man bereit ist, einige Meter zu laufen. Vorgeschlagen wurden die Zwischennutzung von Freiflächen oder ungenutzten Supermarkt-Parkplätzen sowie das Anordnen von Schrägparken, um das Problem zu entschärfen. Zudem müssten gesonderte Parkplätze für Pflege- und Lieferdienste im Viertel eingerichtet werden.
Ein weiteres Ärgernis stelle der informelle Park- & Ride Parkplatz am S-Bahnhof Stötteritz dar. Ortsunkundige Nutzer würden in der Günzstraße und im Lichtenbergweg mit zu hoher Geschwindigkeit fahren. Deshalb benötige Stötteritz einen ausgewiesenen öffentlichen Park- & Ride Parkplatz. Es wurde vorgeschlagen, diesen auf dem Gelände der Deutschen Bahn einzurichten und das Überfahren des Gehweges an der Papiermühlstraße durch Poller zu vermeiden.


Umdenken beim Thema Mobilität
Verschiedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer verwiesen darauf, dass ein Umdenken beim Thema Mobilität angestrebt werden müsse. Kurze Strecken sollten nicht per Auto bewältigt werden. „Sobald ich selbst im Auto sitze, bin ich Verursacher von Lärm“, so mehrere Wortmeldungen. Entgegnet wurde, dass dies nicht als „Freizeitspaß“ geschehe. Es müsse bewusst sein, dass viele Menschen gezwungener Maßen Auto fahren müssen, solang keine geeigneten Alternativen vorhanden sind.
Es sei generell eine Verkehrsminderung notwendig, denn kleinteilige Maßnahmen könnten nicht alle Probleme lösen, so die Meinung einiger. Mobilitätskonzepte wie Park-& Ride, Carsharing und die Möglichkeit des sicheren zu Fuß Gehens für alle Altersgruppen können dazu beitragen. Auch fehle eine E-Zapfsäule im Wohngebiet. Der ÖPNV müsse ausgebaut und kostengünstiger werden. Das Abschaffen der Tatra-Bahnen, eine Reduzierung des Fluglärms sowie Maßnahmen zum Schutz von Bahnlärm seien notwendige Maßnahmen. Dies könne jedoch nicht im Rahmen des Projektes auf Stadtteilebene angegangen werden. Es wurde verabredet diese in den Workshops nicht konzeptionell zu vertiefen, aber dennoch sichtbar zu halten und in das Bewusstsein der Verantwortlichen zu bringen.


Bestehende Probleme angehen
Zudem fordern viele der Anwesenden, dass nicht nur über Ideen und Maßnahmen gesprochen wird, sondern diese auch umgesetzt werden. Denn bei vorangegangenen Beteiligungsverfahren sei dies meist nicht der Fall gewesen, so eine Teilnehmerin. Bei der Ausarbeitung konkreter Maßnahmen, so ein Hinweis, sei das St. Floriansprinzip zu vermeiden. Es müssen Lösungen gefunden werden, die in der Gesamtsicht für den Stadtteil Sinn ergeben.
Die vielen Vorschläge werden zusammen mit den rund 60 bereits eingebrachten Ideen am 1. Dezember 2015 im ersten Workshop von den Bürgern thematisch sortiert und vertiefend besprochen.
 

Erster Bürgerworkshop

Am 1. Dezember 2015 leitete der erste der drei Workshops erfolgreich die Mitwirkungsphase des Projektes "Mitwirken bei der Fortschreibung von Lärmaktionsplänen in Leipzig – Verkehrsberuhigung in Stötteritz" ein. Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich in der Aula der Franz-Mehring Schule zusammen. Sie nutzten die Gelegenheit, aktiv an der Gestaltung ihres Stadtteils mitzuwirken.


Zu Beginn des Workshops formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Vorstellungsrunde ihre Problemwahrnehmung und Wünsche im Stadtteil. Inhaltlich neue Vorschläge zur Lärmminderung wurden den schon bestehenden Ideen beigefügt. Zu diesem großen Maßnahmenbündel wurden im Anschluss von den Workshopteilnehmern vier Überschriften zur inhaltlichen Sortierung gebildet:

1. Öffentlicher Verkehr, Alternativen zum Auto, Parken, städtisches Grün
2. Verlauf des Straßenhauptnetzes/ Verkehrsleitung/ Lenkung
3. Temporeduzierung – Tempo 30
4. Fuß- und Radverkehr

Sämtliche bestehenden Maßnahmen sowie die Ideen aus der Auftaktveranstaltung und der Vorstellungsrunde wurden diesen vier Überschriften zugeordnet und in den dazugehörigen Gruppen Themenschwerpunkte erarbeitet. Diese bilden die Struktur für den nächsten Workshop.

Dort werden die eingebrachten Vorschläge und bereits bestehenden Maßnahmenblätter zu konkreten Maßnahmen für Stötteritz zusammengeführt.

Hier steht Ihnen das Protokoll zum Download bereit:

Zweiter Bürgerworkshop

Im zweiten Bürgerworkshop des Projekts "Mitwirken bei der Fortschreibung von Lärmaktionsplänen in Leipzig – Verkehrsberuhigung in Stötteritz" entwickelten die Teilnehmenden die bisher eingebrachten Ideen und Vorschläge aus Stötteritz weiter.


Am 12. Januar 2016 konnten an 6 Tischen die im ersten Workshop erarbeiteten Themenkomplexe in Gruppen diskutiert werden. Jede Arbeitsgruppe entwickelte die Themenkomplexe mit der Hilfe je eines Moderators und verschiedenen Stadtplänen weiter und hielt sie auf Blanko-Maßnahmenblättern fest.

Diese wurden anschließend seitens des Projektteams ausformuliert, gegebenenfalls zusammengeführt und entsprechend weiterentwickelt und bebildert. Die entstandenen Maßnahmenblätter wurden im dritten Bürgerworkshop gemeinsam mit den Teilnehmenden konstruktiv besprochen.
 

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Dritter Bürgerworkshop

In einer sehr fokussierten Arbeitsatmosphäre konnten die Maßnahmenentwürfe aus den Ideen und Vorschlägen von den Teilnehmenden nun so weit ausgearbeitet werden, dass der größte Teil der Maßnahmen bald in die Anschubphase gehen kann.


Die von den Bürgerinnen und Bürgern eingebrachten Ideen und Vorschläge wurden dafür im Vorfeld vom Projektteam redaktionell aufgearbeitet und im dritten Workshop, am 2. Februar 2016, in Maßnahmenentwürfen ausführlich dargestellt.

Die Bürgerinnen und Bürger nutzten aktiv die Gelegenheit, Hinweise und Anregungen zu geben, um die Entwürfe zu präzisieren. In Arbeitsgruppen wurden diese Hinweise diskutiert und auf den Entwürfen festgehalten. Anschließend wurden im Plenum 33 von diesen Maßnahmen samt Diskussionsstand für so ausgereift befunden, dass sie in die Anschubphase übernommen werden können.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben so gut zusammengearbeitet, dass nur noch 6 verbliebene Maßnahmen weiteren Diskussionsbedarf aufwiesen. Während des gesamten Workshops herrschte eine sehr effiziente und konzentrierte Arbeitsatmosphäre.
 

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Vierter Bürgerworkshop

Am 10. März 2016 haben sich rund 50 Interessierte eingefunden, um ein Zwischenfazit am Ende der Mitwirkungsphase des Projektes zu ziehen. Dabei konnten 43 Maßnahmen durch weitgehende Übereinstimmung finalisiert werden. Die Hinweise haben das Projektteam des Ökolöwen und die Projektpartner vom StadtLabor für die darauffolgende Anschubphase eingearbeitet.


Zu Beginn konnten bei einer kurzen Vorstellung der 33 Maßnahmen, die im dritten Workshop mit weitgehender Übereinstimmung verabschiedet wurden, noch letzte Hinweise gegeben werden. Der vierte und letzte Workshop sollte hauptsächlich dazu dienen, die neu entstandenen sowie diskussionsbedürftigen Maßnahmen näher zu besprechen und den Diskussionsstand für den Maßnahmenkatalog aufzunehmen. Für einen Gesamtüberblick fanden sich alle in einem großen Plenum zusammen, in dem sich anregende Diskussionen über die einzelnen Maßnahmen entfalteten. Zum Schluss konnten insgesamt 43 Maßnahmen mit weitgehender Übereinstimmung im Plenum verabschiedet werden.


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Maßnahmenkatalog Mach's leiser 2015/17

Nach intensivem Austausch über die Verkehrssituation in Stötteritz konnte im April 2016 der Maßnahmenkatalog „43 Maßnahmen für Stötteritz“ als ein freudiges Zwischenergebnis in den Händen gehalten werden, an dem viele Menschen mitgearbeitet haben. Den Stötteritzer Bürgerinnen und Bürgern gebührt für ihre Mitwirkung große Anerkennung.

Die von den Bürgerinnen und Bürgern zur Umsetzung empfohlenen Maßnahmen wurden am Ende der Mitwirkungsphase vom Umweltbund Ökolöwe und dem Planungsbüro StadtLabor in besagtem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. In der sogenannten Anschubphase sollen diese Maßnahmen zur Umsetzung befördert werden.

Folgende Übersicht zeigt die Verteilung der Maßnahmen über das Stadtgebiet in Stötteritz:

Maßnahmenübersicht

Hier steht Ihnen der Maßnahmenkatalog zum Download bereit:

Abschlussbericht

Der gesamte Prozess inklusive Umsetzungsstand des zweiten "Mach's leiser" Projekts in Leipzig-Stötteritz ist in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Der Abschlussbericht steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.