Auftaktveranstaltung

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Mehr als 50 Anwohner aus Leipzig Stötteritz besuchten die „Mach's leiser!“ -Veranstaltung am 10. November 2015. In der Aula der Franz-Mehring-Schule stellte Projektleiter Tino Supplies vom Ökolöwen - Umweltbund Leipzig e.V. die Idee und den geplanten Ablauf des Projekts vor und führte inhaltlich in das Thema Umgebungs- und Verkehrslärm ein.
Fritjof Mothes vom Planungsbüro Stadtlabor, welches für die Moderation und fachliche Unterstützung zuständig ist, gab einen Einblick in den Bürgermitwirkungsprozess und die bereits rund 60 vorliegenden Maßnahmenvorschläge zur Verkehrsberuhigung in Stötteritz.
Das Projektteam machte eingangs noch einmal deutlich, dass das Ziel sei, ein Paket aus kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen zu erarbeiten, das die Lebenssituation in Stötteritz verbessert. Die Trassendiskussion der letzten Jahre hat den Blick darauf verstellt. Durch die Beschlusslage im neuen Stadtentwicklungsplan Verkehr und Öffentlicher Raum kann jetzt der Fokus auf heute schon machbare Dinge gelegt werden.


Großer Ideenreichtum der Teilnehmer
Die lebendige Diskussion im Anschluss an die Vorträge zeigte vor allem eines: die Verkehrssituation ist ein erhebliches Problem im Stadtteil Stötteritz, mit dem sich die Betroffenen nicht länger abfinden wollen. Die Anwesenden nutzten die Gelegenheit, auf vielfältige Problemlagen in ihrem Wohnumfeld hinzuweisen.


Ausbau Radverkehrsnetz
Dem Ausbau der Radwege in Stötteritz galt hohes Interesse. Aufgrund des schlechten Radverkehrsnetzes sei es derzeit für schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer nur schwer möglich, das Rad zu nutzen. Dabei wurde mehrfach das Nahversorgungszentrum an der Holzhäuser Straße genannt, das auf sicherem Wege kaum zu erreichen sei. Geeignete Parkmöglichkeiten für das Rad seien trotz des riesigen Areals kaum vorhanden. Weiterhin könne generell durch Schaffung von Fahrradabstellanlagen und den Ausbau der Radwege im Viertel eine Erhöhung des Radverkehrsanteils erzielt werden.


Verkehrsberuhigung
Weiteren Handlungsbedarf sehen die Bürger bei der Verkehrsberuhigung. Kontrovers diskutiert wurde dabei die Errichtung von Tempo 30 Zonen. Ein Teilnehmer sagte, dass diese „gar nichts bringen“, wohingegen eine Bewohnerin aus der Sommerfelder Straße dementierte. Bei Bauarbeiten in dieser Straße hätte sie „am eigenen Leibe erfahren, dass bei langsameren Geschwindigkeit der Verkehrslärm deutlich abnimmt“. In der Naunhofer Straße wurde von den Bürgern eine Tempo 30 Zone gefordert. Auch die Senkung des Schwerlastverkehrs auf der Kommandant-Prendel-Allee wurde als verkehrsberuhigende Maßnahme genannt. Generell sollte die Verkehrsleitung überprüft werden, so die Bürger, wie z.B. die Ampelschaltung an der Holzhäuser-/Kolmstraße.


Parkplatzproblematik
Ferner wurde als Lärmverursacher die derzeitige Parkraumsituation identifiziert. Viel Verkehrslärm entstünde nur aus Parksuchverkehr. „Manchmal muss man 20 Minuten umherfahren, bis sie einen Parkplatz gefunden haben“ so eine Bewohnerin. So würden auch ruhige Seitenstraßen verlärmt. Andere Teilnehmer erwiderten, dass man Parkplätze finden würde, wenn man bereit ist, einige Meter zu laufen. Vorgeschlagen wurden die Zwischennutzung von Freiflächen oder ungenutzten Supermarkt-Parkplätzen sowie das Anordnen von Schrägparken, um das Problem zu entschärfen. Zudem müssten gesonderte Parkplätze für Pflege- und Lieferdienste im Viertel eingerichtet werden.
Ein weiteres Ärgernis stelle der informelle Park- & Ride Parkplatz am S-Bahnhof Stötteritz dar. Ortsunkundige Nutzer würden in der Günzstraße und im Lichtenbergweg mit zu hoher Geschwindigkeit fahren. Deshalb benötige Stötteritz einen ausgewiesenen öffentlichen Park- & Ride Parkplatz. Es wurde vorgeschlagen, diesen auf dem Gelände der Deutschen Bahn einzurichten und das Überfahren des Gehweges an der Papiermühlstraße durch Poller zu vermeiden.


Umdenken beim Thema Mobilität
Verschiedene Teilnehmer verwiesen darauf, dass ein Umdenken beim Thema Mobilität angestrebt werden müsse. Kurze Strecken sollten nicht per Auto bewältigt werden. „Sobald ich selbst im Auto sitze, bin ich Verursacher von Lärm“, so mehrere Wortmeldungen. Entgegnet wurde, dass dies nicht als „Freizeitspaß“ geschehe. Es müsse bewusst sein, dass viele Menschen gezwungener Maßen Auto fahren müssen, solang keine geeigneten Alternativen vorhanden sind.
Es sei generell eine Verkehrsminderung notwendig, denn kleinteilige Maßnahmen könnten nicht alle Probleme lösen, so die Meinung einiger. Mobilitätskonzepte wie Park-& Ride, Carsharing und die Möglichkeit des sicheren zu Fuß Gehens für alle Altersgruppen können dazu beitragen. Auch fehle eine E-Zapfsäule im Wohngebiet. Der ÖPNV müsse ausgebaut und kostengünstiger werden. Das Abschaffen der Tatra-Bahnen, eine Reduzierung des Fluglärms sowie Maßnahmen zum Schutz von Bahnlärm seien notwendige Maßnahmen. Dies könne jedoch nicht im Rahmen des Projektes auf Stadtteilebene angegangen werden. Es wurde verabredet diese in den Workshops nicht konzeptionell zu vertiefen, aber dennoch sichtbar zu halten und in das Bewusstsein der Verantwortlichen zu bringen.


Bestehende Probleme angehen
Zudem fordern viele der Anwesenden, dass nicht nur über Ideen und Maßnahmen gesprochen wird, sondern diese auch umgesetzt werden. Denn bei vorangegangenen Beteiligungsverfahren sei dies meist nicht der Fall gewesen, so eine Teilnehmerin. Bei der Ausarbeitung konkreter Maßnahmen, so ein Hinweis, sei das St. Floriansprinzip zu vermeiden. Es müssen Lösungen gefunden werden, die in der Gesamtsicht für den Stadtteil Sinn ergeben.
Die vielen Vorschläge werden zusammen mit den rund 60 bereits eingebrachten Ideen am 1. Dezember 2015 im ersten Workshop von den Bürgern thematisch sortiert und vertiefend besprochen.